Futterwissen
Rohprotein, Rohfett & Co. – analytische Bestandteile einfach erklärt
Auf jeder Futter- und Kauartikelpackung stehen sie: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Rohasche – teils auch die Feuchtigkeit. Das sind keine Zutaten, sondern vorgeschriebene Analysewerte. Sie zeigen Mengen bestimmter Stoffgruppen, aber ohne Kontext lassen sie sich zwischen verschiedenen Futterarten nicht einfach vergleichen. Diese Seite erklärt, was hinter den Zahlen steckt – und was nicht.
Was sind analytische Bestandteile?
Analytische Bestandteile sind Laborwerte. Sie entstehen, wenn eine Futterprobe im Labor auf bestimmte Stoffgruppen untersucht wird – zum Beispiel auf den Stickstoffgehalt, aus dem sich der Rohproteinwert berechnet.
Das ist etwas anderes als die Zutatenliste. Während die Zutatenliste zeigt, woraus ein Futter besteht, zeigen die analytischen Bestandteile nur, wie viel bestimmter Stoffgruppen insgesamt enthalten ist.
Wichtig: Ein hoher oder niedriger Wert sagt für sich allein noch nichts über die Qualität eines Futters aus. Dazu später mehr.
Rohprotein
Rohprotein ist der über den Stickstoffgehalt berechnete Eiweißanteil im Futter. Der Wert zeigt eine Menge – nicht, aus welchen Zutaten das Eiweiß stammt und wie gut der Körper es verwerten kann. Zwei Futter mit demselben Rohproteinwert können sich in der tatsächlichen Zusammensetzung deutlich unterscheiden.
Gut zu wissen: Der Feuchtigkeitsgehalt eines Futters beeinflusst den Rohproteinwert stark.
Rohfett
Rohfett erfasst Öle, Fette und fettähnliche Stoffe tierischen und pflanzlichen Ursprungs. Der Wert liefert die Gesamtmenge, aber keine Aussage darüber, welche Fettquellen enthalten sind oder wie das Fettsäuremuster aussieht.
Gut zu wissen: Fett liefert konzentriert Energie – relevant, aber nur einer von mehreren Werten.
Rohasche
Rohasche ist der mineralische Rückstand, der übrig bleibt, wenn eine Futterprobe im Labor bei 550 °C verbrannt wird. Sie besteht vor allem aus natürlich enthaltenen Mineralstoffen und Spurenelementen.
Gut zu wissen: Rohasche wird dem Futter nicht zugesetzt, sondern ist ein reiner Analysewert.
Rohfaser
Rohfaser bezeichnet einen Teil der Pflanzenfasern im Futter, gemessen nach einer klassischen Analysemethode. Sie erfasst nicht die komplette Bandbreite an Ballaststoffen – bestimmte, vor allem lösliche Faseranteile werden dabei nicht vollständig abgebildet.
Gut zu wissen: Die Rohfaserangabe ist für die Verdauung nur ein grober Anhaltspunkt.
Feuchtigkeit
Feuchtigkeit gibt den Wasseranteil im Futter an. Sie muss deklariert werden, sobald sie 14 % übersteigt – das betrifft praktisch jedes Nassfutter.
Gut zu wissen: Der Feuchtigkeitsgehalt ist der Hauptgrund, warum sich Prozentwerte zwischen Nass- und Trockenfutter nicht direkt vergleichen lassen.
Warum 8 % Rohprotein nicht automatisch weniger sind als 25 %
Ein Trockenfutter mit 25 % Rohprotein wirkt auf den ersten Blick proteinreicher als ein Nassfutter mit 8 %. Der Vergleich hinkt aber, weil beide Futter einen völlig unterschiedlichen Wasseranteil haben.
| Trockenfutter | Nassfutter | |
|---|---|---|
| Feuchtigkeit | 8 % | 78 % |
| Trockensubstanz | 92 % | 22 % |
| Rohprotein (wie auf der Packung) | 25 % | 8 % |
| Rohprotein bezogen auf Trockensubstanz | 27,2 % | 36,4 % |
Rechnet man beide Werte auf die Trockensubstanz um, dreht sich das Bild: Das Nassfutter liefert in diesem Beispiel sogar mehr Protein als das Trockenfutter. Der direkte Prozentvergleich auf der Packung ist also nur dann aussagekräftig, wenn man den Wasseranteil mit einbezieht.
Trockensubstanz einfach erklärt
Die Trockensubstanz ist der Teil eines Futters, der übrig bleibt, wenn man das Wasser abzieht.
Formel:
Trockensubstanz (%) = 100 − Feuchtigkeit (%)
Um einen Nährstoffwert fair zu vergleichen, rechnet man ihn auf die Trockensubstanz um:
Nährstoff auf Trockensubstanz-Basis (%) = Nährstoffwert (Originalsubstanz, %) ÷ Trockensubstanz (%) × 100
So rechnest du selbst:
- Feuchtigkeit von 100 abziehen → Trockensubstanz
- Den gewünschten Nährstoffwert (z. B. Rohprotein) durch die Trockensubstanz teilen
- Mal 100 rechnen
Beispiel Trockenfutter: 25 ÷ 92 × 100 = 27,2 %
Beispiel Nassfutter: 8 ÷ 22 × 100 = 36,4 %
Warum Kauartikel oft sehr hohe Rohproteinwerte haben
Bei stark getrockneten Kauartikeln – etwa reinen Trockenfleisch- oder Häute-Snacks – tauchen häufig Rohproteinwerte auf, die deutlich höher liegen als bei normalem Nassfutter.
Der Grund liegt im Herstellungsprozess: Beim Trocknen wird dem Ausgangsprodukt Wasser entzogen. Da sich der Rohproteinwert immer auf 100 g des fertigen Produkts bezieht, steigt der prozentuale Anteil der verbleibenden Nährstoffe rechnerisch, sobald der Wasseranteil sinkt.
Ein hoher Rohproteinwert bei einem stark getrockneten Kauartikel ist also zunächst einmal eine normale Folge des Trocknungsprozesses. Er ist weder automatisch ein Qualitätsbeweis noch ein Hinweis auf künstlich zugesetztes Protein.
Was die Zahlen nicht verraten
Analytische Bestandteile sind Pflichtangaben – aber sie beantworten nicht alle Fragen. Allein aus den Werten lässt sich nicht ablesen:
- aus welcher Quelle das Protein stammt
- wie das Aminosäurenprofil aussieht
- wie gut der Körper die Nährstoffe tatsächlich verwerten kann (Verdaulichkeit)
- wie hochwertig die verwendeten Rohstoffe sind
- wie ausgewogen die Rezeptur insgesamt ist
Wer das wissen möchte, braucht zusätzlich die Zutatenliste, die Deklaration der Zusatzstoffe und – je nach Fragestellung – weiterführende Informationen zum Herstellungsprozess.
Zusammensetzung, analytische Bestandteile, Zusatzstoffe – der Unterschied
Zusammensetzung
Zeigt, welche Rohstoffe und Zutaten im Futter enthalten sind – zum Beispiel Geflügel, Reis oder Rübenschnitzel.
Analytische Bestandteile
Zeigen, wie viel bestimmter Stoffgruppen insgesamt enthalten ist – zum Beispiel Rohprotein oder Rohfett. Keine Aussage darüber, woher diese Stoffe stammen.
Zusatzstoffe
Zeigen, welche gezielt zugesetzten Stoffe im Futter enthalten sind, soweit sie kennzeichnungspflichtig sind – zum Beispiel bestimmte Vitamine oder Spurenelemente.
Alle drei Angaben ergänzen sich. Erst zusammen ergeben sie ein vollständigeres Bild eines Futters.
Gut oder schlecht? Kommt darauf an.
Ein einzelner Wert lässt sich selten pauschal bewerten. Ob ein bestimmter Rohprotein-, Rohfett- oder Rohaschewert passt, hängt unter anderem ab von:
- der Tierart
- der Lebensphase (z. B. Welpe, ausgewachsenes Tier, Senior)
- der Futterart (Nassfutter, Trockenfutter, Snack, Kauartikel)
- der gesamten Rezeptur
- dem individuellen Bedarf des Tieres
Bei gesundheitlichen Fragen oder besonderem Bedarf – etwa bei Vorerkrankungen – ist eine individuelle tierärztliche Einschätzung sinnvoller als eine pauschale Regel.
Fragen und Antworten
Was bedeutet Rohprotein?
Der über den Stickstoffgehalt berechnete Eiweißanteil im Futter. Der Wert zeigt eine Menge, keine Proteinquelle oder -qualität.
Ist mehr Rohprotein automatisch besser?
Nein. Wie viel Rohprotein sinnvoll ist, hängt von Tier, Lebensphase und Futterart ab – und der Wert allein sagt nichts über die Proteinquelle aus.
Was ist Rohasche?
Der mineralische Rückstand, der übrig bleibt, wenn eine Futterprobe im Labor bei 550 °C verbrannt wird. Vor allem Mineralstoffe und Spurenelemente.
Wird Rohasche dem Futter zugesetzt?
Nein. Rohasche ist kein Zusatzstoff, sondern ein reiner Laborwert aus der Analysemethode.
Warum hat Nassfutter so wenig Rohprotein?
Weil Nassfutter deutlich mehr Wasser enthält als Trockenfutter. Rechnet man beide Werte auf die Trockensubstanz um, verschiebt sich das Bild oft deutlich.
Wie vergleiche ich Nass- und Trockenfutter fair?
Über die Trockensubstanz: Zuerst die Feuchtigkeit von 100 abziehen, dann den Nährstoffwert durch die Trockensubstanz teilen und mit 100 multiplizieren.
Was bedeutet Trockensubstanz?
Der Teil eines Futters, der übrig bleibt, wenn man das enthaltene Wasser abzieht.
Warum haben Kauartikel oft so hohe Rohproteinwerte?
Weil beim Trocknen Wasser entzogen wird. Da sich der Wert auf 100 g des fertigen Produkts bezieht, steigt der prozentuale Anteil der verbleibenden Nährstoffe.
Was sagt der Rohfettgehalt aus?
Die Gesamtmenge an Ölen und Fetten im Futter – ohne Aussage über die genaue Fettquelle oder das Fettsäuremuster.
Wofür steht Rohfaser?
Für einen Teil der Pflanzenfasern im Futter. Sie deckt nicht alle Ballaststoffanteile vollständig ab.
Was sagt die Feuchtigkeit aus?
Den Wasseranteil im Futter. Sie muss angegeben werden, sobald sie 14 % übersteigt.
Sagen analytische Bestandteile etwas über die Fleischqualität aus?
Nein. Sie zeigen Mengen bestimmter Stoffgruppen, aber nichts über Herkunft oder Qualität der verwendeten Rohstoffe.
Was ist der Unterschied zur Zutatenliste?
Die Zutatenliste zeigt, welche Rohstoffe enthalten sind. Die analytischen Bestandteile zeigen, wie viel bestimmter Stoffgruppen insgesamt im Futter steckt.